Krater 004

Krater 004 liegt bei Emmerting im nördlichen Teil des Chiemgau-Kraterstreufeldes. Den Untergrund bilden würmzeitliche Schmelzwasserschotter überwiegend alpiner Herkunft. Mit einem Durchmesser von etwa 11 Metern ist Krater 004 eine der kleinen Strukturen des Streufeldes.

Eine kleine, deutlich ausgeprägte Kraterstruktur

Die annähernd kreisförmige, schüsselförmige Hohlform ist von einem ausgeprägten, etwa einen halben Meter hohen Ringwall umgeben. Georadarmessungen zeigen, dass sich der Krater und seine Randbereiche im Untergrund abzeichnen; die sichtbare Geländeform ist also nur der oberflächliche Ausdruck einer tiefer reichenden Struktur. Auch magnetisch hebt sich der Kraterbereich deutlich von seiner Umgebung ab. Besonders starke Anomalien treten im Bereich des thermisch veränderten Kraterwalls auf.

Gesteine unter extremer Beanspruchung

Besonders auffällig sind die Gesteine aus dem Krater und seiner unmittelbaren Umgebung. Die Gerölle zeigen ein breites Spektrum unterschiedlicher Veränderungen, von thermoplastischen Deformationen bis hin zu Schmelzprodukten unterschiedlichster Erscheinungsform. Manche Gerölle haben eine sehr dünne Glashaut, andere sind von blasigem Glas durchsetzt oder mit mehrere Zentimeter großen, schlackenartig wirkenden Schmelzbatzen verschweißt. Die Bildung dieser Veränderungen muss Temperaturen von mehr als 1500°C erfordert haben.

Mit den Schmelzerscheinungen sind weitere ungewöhnliche Materialien verbunden. In den Schmelzkrusten thermisch veränderter Gerölle treten Eisensilizidpartikel auf. Ihr Vorkommen steht damit in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der extremen thermischen Veränderung der Kratergesteine.

Eine weitere Besonderheit sind millimetergroße Kohlenstoffsphärulen, wie sie auch eingebettet in den aufgeschmolzenen Krusten stark veränderter Gesteine gefunden wurden. In Kohlenstoffsphärulen dieses Typs wurden Nano- und Mikrodiamanten in unterschiedlichen Formen nachgewiesen. Damit sind auch ungewöhnliche Kohlenstoffmaterialien mit den Hochtemperaturerscheinungen an stark veränderten Gesteinen verbunden.

Schockmetamorphose

Von besonderer Bedeutung für die Einordnung von Krater 004 als Impaktstruktur ist die nachgewiesene Schockmetamorphose. In den Gesteinen treten planare Deformationsstrukturen (PDFs) in Quarz sowie diaplektisches Quarzglas auf.

Ein Fragment des Impaktors

In der Kraterfüllung wurde ein Fragment geborgen, das als Meteoritenfragment identifiziert wurde. Seine mineralogische Zusammensetzung umfasst unter anderem Kamacit, eine Eisen-Nickel-Legierung, die charakteristisch für zahlreiche Meteorite ist.

Ein ungewöhnlicher kleiner Krater

Gerade angesichts der geringen Größe von Krater 004 ist die Fülle der hier anzutreffenden Befunde bemerkenswert. Hier treffen eine ausgeprägte Kraterstruktur, geophysikalische Anomalien, starke mechanische und thermische Veränderungen der Gesteine sowie Schockmetamorphose zusammen. Hinzu kommen ungewöhnliche Kohlenstoff- und Eisensilizid-Materialien sowie ein Meteoritenfragment mit Kamacit. Krater 004 vereinigt damit eine außergewöhnliche Vielfalt unterschiedlicher Impaktbefunde auf engstem Raum.

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