Glossar

Sie sind hier: Startseite » Glossar

Glossar – Chiemgau-Impakt

Glossar

Das Glossar erläutert zentrale Fachbegriffe aus Impaktgeologie, Schockphysik, Mineralogie, Geophysik, Geoarchäologie, Archäometrie, Astronomie, Meteoritik, Hydrodynamik und Kulturgeschichte.

Die Definitionen unterscheiden zwischen impaktdiagnostischen Kriterien, unterstützenden Befunden, sekundären Wirkungen und weiterführenden Rekonstruktionsmodellen.

Leseschlüssel: Ein Befund ist nicht automatisch ein Impaktnachweis. Besonders aussagekräftig sind Schockmetamorphose, Shatter Cones, sicher identifiziertes Meteoritenmaterial und direkte Beobachtung. Morphologie, geophysikalische Anomalien, Schmelzen, Sphärulen oder ungewöhnliche Mineralphasen müssen im geologischen und analytischen Zusammenhang bewertet werden.

A

Ablation

Astronomie / Impaktphysik

Ablation bezeichnet den Materialverlust eines kosmischen Körpers beim Durchgang durch die Atmosphäre. Durch starke aerodynamische aufhitzung kommt es zu Schmelzen, Verdampfen und mechanischer Abtragung. Ablatiertes Material kann als Dampf, Schmelztröpfchen und feine Partikel freigesetzt werden.

Airburst

Impaktphysik / Atmosphärenphysik

Explosionsartige Freisetzung eines großen Teils der kinetischen Energie eines kosmischen Körpers in der Atmosphäre. Im Unterschied dazu wird bei einem Impakt die kinetische Energie beim Auftreffen auf die Oberfläche vor allem in Projektil und Zielgestein umgesetzt. Bei einem Airburst können starke Druckwellen, Wärmestrahlung und heftige Luftströmungen entstehen und am Boden erhebliche Schäden verursachen. Ein Airburst selbst erzeugt keinen Impaktkrater; Fragmente können jedoch den Boden erreichen und dort Impakte verursachen.

Akkretionäre Lapilli

Sedimentologie / Impaktgeologie

Millimeter- bis zentimetergroße Kügelchen aus feinen Staub- oder Aschepartikeln, die durch schrittweise Anlagerung der Partikel in turbulenten Wolken entstehen, häufig unter Mitwirkung von Feuchtigkeit. Sie können bei Impaktereignissen entstehen, sind jedoch vor allem aus vulkanischen Ablagerungen bekannt und daher nicht impaktdiagnostisch.

Archäometrie

Archäologie / Naturwissenschaften

Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden auf archäologische Fragestellungen, zum Beispiel zur Datierung, Materialanalyse, Herkunftsbestimmung und Rekonstruktion von Herstellungs- und Bearbeitungsprozessen.

Artefakt

Archäologie

Gegenstand, der von Menschen hergestellt oder gezielt verändert wurde und dadurch menschliche Tätigkeit erkennen lässt. Im Kontext der Untersuchungen zum Chiemgau Impakt zählen dazu beispielsweise Keramik, bearbeitete Steine und metallische Objekte.

Artefakt-in-Impaktit

Geoarchäologie / Impaktgeologie

Impaktgestein, das sowohl impaktdiagnostische Schockmetamorphose zeigt als auch ein menschliches Artefakt oder Teile davon enthält. Entsprechende Funde in der archäologischen Ausgrabung von Chieming-Stöttham trugen wesentlich zur Datierung des Chiemgau-Impakts bei.

Azimut

Astronomie / Geodäsie

Horizontaler Richtungswinkel, meist von geografisch Nord aus im Uhrzeigersinn gemessen. Er gibt die horizontale Richtung eines Objekts, einer Bahn oder einer Achse an, nicht deren Neigung gegenüber dem Horizont.

B

Ballenstruktur

Petrographie / Schockmetamorphose

Charakteristische, ballenartige Rekristallisationsstruktur von Siliziumdioxid nach intensiver Schock- und Wärmebeanspruchung. Sie kann in Impaktgesteinen auftreten.

Bathymetrie

Geophysik / Hydrographie

Vermessung der Tiefen eines Gewässers und der Morphologie seines Bodens.

Bernstein

Mineralogie / Kulturgeschichte

Fossiles Harz. Bernstein aus dem nördlichen Europa war seit vorgeschichtlicher Zeit ein bedeutendes Fernhandelsgut. In der Phaethon-Überlieferung verwandeln sich die Tränen der Heliaden in Bernstein.

Bodenradar (GPR)

Geophysik

auch Georadar oder Ground Penetrating Radar (GPR), ist ein geophysikalisches Verfahren, bei dem elektromagnetische Impulse in den Untergrund gesendet und ihre Reflexionen ausgewertet werden. Damit lassen sich Schichtgrenzen, Störungen, Hohlräume und andere verborgene Strukturen im Untergrund erkennen.

Bodenverflüssigung

Geotechnik / Impaktfolgen

Liquefaktion; Vorübergehender Festigkeitsverlust wassergesättigter Lockersedimente durch starke dynamische Belastung (z. B. heftige Erschütterungen). Dabei steigt der Porenwasserdruck, der Kornverband verliert an Festigkeit und das Sediment kann sich vorübergehend wie eine Flüssigkeit verhalten.

Brekzie

Petrographie / Impaktgeologie

Gestein aus überwiegend eckigen Gesteinsbruchstücken mit einem Korngrößendurchmesser > 2 mm, die durch eine feinere Matrix oder ein Bindemittel zusammengehalten werden. Brekzien können durch unterschiedliche geologische Prozesse entstehen. Impaktbrekzien bilden sich durch Zertrümmerung, Verlagerung und Vermischung von Gestein bei einem Impakt und können auch Impaktschmelze enthalten.

C

Calciumaluminate

Mineralogie / Hochtemperaturchemie

Mineralphasen aus Calcium, Aluminium und Sauerstoff. Einige Calciumaluminate bilden sich nur unter sehr hohen Temperaturen oder Drücken und sind deshalb für die Rekonstruktion extremer Bildungsbedingungen bedeutsam.

Chiemit

Petrographie / Kohlenstoffforschung

Bezeichnung für ein erstmals aus dem Chiemgau beschriebenes kohlenstoffreiches, hartes und glasartig erscheinendes Material. Seine Bildung wird auf die Umwandlung organischen Ausgangsmaterials unter extremer Erhitzung und Schockbeanspruchung bei einem Impaktereignis zurückgeführt.

Chiemsee-Doppelstruktur

Geophysik / Impaktgeologie

Zwei benachbarte, geophysikalisch und sedimentakustisch erfasste Vertiefungen am Boden des Chiemsees. Sie werden als Einschlagsspuren größerer Fragmente interpretiert.

CIRT

Forschungsgeschichte

Abkürzung für Chiemgau Impact Research Team, eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die seit 2004 Untersuchungen zum Chiemgau-Impakt durchführt.

Cristobalit

Mineralogie

Hochtemperaturmodifikation von Siliziumdioxid. Ihr Auftreten kann auf starke thermische Beanspruchung hinweisen; allein ist Cristobalit nicht impaktdiagnostisch.

D

Dendrochronologie

Archäometrie

Datierung von Holz anhand charakteristischer Abfolgen von Jahrringen. Bei geeigneter Erhaltung und vorhandenen Vergleichsreihen ist eine jahrgenaue, unter besonderen Voraussetzungen auch saisonale Datierung möglich.

Diamiktit / diamiktische Lage

Sedimentologie / Geoarchäologie

Sehr schlecht sortiertes Sediment mit Komponenten stark unterschiedlicher Korngröße; in verfestigter Form wird es als Diamiktit bezeichnet. Die Bezeichnung ist rein beschreibend und sagt nichts über die Entstehungsweise aus.

Diaplektisches Glas

Schockmetamorphose

Glasartiger, amorpher Zustand eines Minerals (z. B. Quarz und Feldspat), der entsteht, wenn hoher Schockdruck dessen geordnetes Kristallgitter zusammenbrechen lässt. Das Mineral bleibt dabei im festen Zustand und schmilzt nicht. Diaplektisches Glas ist ein diagnostisches Merkmal der Schockmetamorphose und damit ein eindeutiger Nachweis eines Impakts.

Dünnschliff

Petrographie

Sehr dünnes, meist etwa 30 µm starkes Gesteinsplättchen, das auf einem Objektträger befestigt und im Polarisationsmikroskop untersucht wird. Dünnschliffe ermöglichen die Bestimmung von Mineralen sowie die Untersuchung von Gefügen und Schockmerkmalen.

E

EBSD

Materialanalytik

Electron Backscatter Diffraction (Elektronenrückstreubeugung) ist ein elektronenmikroskopisches Verfahren im Rasterelektronenmikroskop (REM), bei dem die Beugung rückgestreuter Elektronen ausgewertet wird. Damit lassen sich Kristallorientierungen und Mineralphasen bestimmen sowie Deformationsgefüge mit hoher räumlicher Auflösung untersuchen.

Echlot / Sedimentecholot

Hydroakustik / Geophysik

Akustisches Verfahren zur Vermessung der Gewässertiefe und zur Untersuchung des Sedimentaufbaus. Bei einem Sedimentecholot dringen Schallwellen in den Gewässerboden ein; ihre Reflexionen machen Schichtgrenzen und andere Strukturen im Sediment erkennbar.

EDS

Materialanalytik

Energy-Dispersive X-ray Spectroscopy (energiedispersive Röntgenspektroskopie) ist ein Verfahren zur Bestimmung der in einer Probe enthaltenen chemischen Elemente anhand ihrer charakteristischen Röntgenstrahlung.

Eisensilizide

Mineralogie / Kosmochemie

Verbindungen aus Eisen und Silizium, zum Beispiel Naquit, Linzhiit, Hapkeit, Gupeiit, Xifengit und Suessit. Natürliche Eisensilizide entstehen unter stark reduzierenden, oft sehr heißen Bedingungen.

Ejekta

Impaktgeologie

Material, das bei der Kraterbildung aus dem entstehenden Krater herausgeschleudert wird. Ein großer Teil wird außerhalb des Kraters abgelagert und bildet dort die Ejektadecke.

Ejektadecke

Impaktgeologie

Ablagerung des Auswurfmaterials (Ejekta), das bei der Kraterbildung aus dem entstehenden Krater herausgeschleudert und außerhalb davon abgelagert wird. Sie kann sowohl stark zerbrochenes, durchmischtes, geschocktes oder thermisch verändertes als auch weitgehend unverändertes Material enthalten. Englischer Fachbegriff: ejecta blanket.

Eridanos

Klassische Philologie / Kulturgeschichte

Fluss in der griechischen Mythologie, in den Phaethon stürzt. In der antiken Überlieferung ist der Eridanos eng mit den Heliaden und dem Bernstein verbunden und wird unterschiedlich in nördlichen oder westlichen Regionen verortet. Eine eindeutige Gleichsetzung mit einem heutigen Fluss ist nicht möglich.

F

Fallout

Atmosphärenphysik / Sedimentologie

Aus der Atmosphäre niedergehendes Material nach Explosion, Fragmentierung oder Verdampfung. Dazu können Staub, Schmelztröpfchen, Sphärulen, kondensierte Dämpfe und organisch-kohlenstoffreiche Partikel gehören.

FE-REM

Materialanalytik

Feldemissions-Rasterelektronenmikroskop. Es erzeugt hochauflösende Oberflächen- und Materialbilder und kann mit EDS, WDS oder EBSD gekoppelt werden.

Fragmentierung

Impaktphysik / Astronomie

Das Aufbrechen eines kosmischen Körpers (Asteroid oder Komet) in der Atmosphäre oder beim Aufprall. Durch mehrstufige Fragmentierung entsteht eine Vielzahl von Bruchstücken unterschiedlicher Größe. Da kleinere Fragmente durch den atmosphärischen Staudruck stärker abgebremst werden als massivere Körper, führt dies zu einer zeitlich und räumlich versetzten Streuung (Streufeld) am Boden mit unterschiedlichen Impaktgeschwindigkeiten.

Fulgurit

Mineralogie / Blitzforschung

Durch Blitzschlag geschmolzenes, verglastes oder schockverändertes Material. Fulgurite können einzelne Hochtemperatur- und Reduktionsphasen enthalten, unterscheiden sich jedoch in räumlicher Skala und Prozessablauf von Impaktgesteinen.

G

Geoarchäologie

Archäologie / Geowissenschaften

Geoarchäologie verbindet geowissenschaftliche und archäologische Methoden zur Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in der Vergangenheit. Sie befasst sich mit der Entstehung und Erhaltung archäologischer Fundstellen, ihrer Stratigraphie und Ablagerungsgeschichte sowie mit der Rekonstruktion früherer Landschaften und Umweltbedingungen. Weitere Themen sind Naturereignisse und ihre Auswirkungen auf den Menschen, Herkunft und Transport von Materialien sowie die Prospektion und Untersuchung archäologischer Strukturen mit geophysikalischen und anderen geowissenschaftlichen Methoden.

Geoelektrik

Geophysik

Geophysikalisches Verfahren zur Untersuchung des Untergrunds anhand seiner elektrischen Eigenschaften, insbesondere des spezifischen elektrischen Widerstands. Bei der häufig eingesetzten Widerstandsgeoelektrik wird über eine Anordnung von Elektroden elektrischer Strom in den Untergrund eingespeist und die dadurch zwischen Messelektroden entstehende elektrische Spannung gemessen. Räumliche Unterschiede im Widerstand ermöglichen Rückschlüsse auf Schichtgrenzen, Störungen sowie Unterschiede in Materialzusammensetzung und Wassergehalt des Untergrunds.

Geomythologie

Kulturwissenschaft / Geowissenschaften

Untersuchung von Mythen, Sagen, Legenden und anderen mündlich oder schriftlich tradierten Erzählstoffen auf mögliche Bezüge zu geologischen Phänomenen oder auf darin bewahrte Erinnerungen an reale Naturereignisse (z. B. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Bergstürze oder Impakte). Methodische Grundlagen stammen aus Geistes- und Naturwissenschaften und umfassen u. a. Quellenkritik, zeitliche Einordnung der Überlieferung, räumliche Zuordnung und den Vergleich mit unabhängig gewonnenen naturwissenschaftlichen Befunden.

Geophysik

Geowissenschaften / Physik

Wissenschaft von den physikalischen Eigenschaften und Prozessen der Erde. Mit physikalischen Messmethoden, beispielsweise Seismik, Geoelektrik, Magnetik, Gravimetrie und Bodenradar, untersucht sie den Aufbau und die Vorgänge im Erdinneren und im Untergrund. Die oberflächennahe Geophysik nutzt Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften des Untergrunds, um verborgene geologische Strukturen zu erkennen.

Glas-Kohlenstoff

Kohlenstoffforschung / Materialwissenschaft

Kohlenstoffreiches, glasartig erscheinendes Material mit ungeordneter oder komplexer Struktur. Seine Bildung kann extreme Temperatur- und Druckbedingungen voraussetzen.

Gravimetrie

Geophysik

Geophysikalisches Verfahren zur Untersuchung des Untergrunds durch die Messung der Schwerebeschleunigung an verschiedenen Orten. Nach Korrektur der Werte um bekannte Einflüsse (z. B. geographische Breite, Höhenlage, Gezeiten und Topographie) werden Abweichungen von einem berechneten Referenzwert als Schwereanomalien bezeichnet. Sie können beispielsweise durch Dichteunterschiede zwischen Gesteinen oder andere Unterschiede in der Massenverteilung des Untergrunds verursacht werden und Hinweise auf geologische Strukturen, Hohlräume oder Lockerzonen geben.

Gupeiit

Mineralogie / Kosmochemie

Natürliches Eisensilizid mit der Formel Fe3Si. Es ist selten und tritt in stark reduzierenden natürlichen Systemen, Meteoriten und impactbezogenen Materialien auf.

H

Hapkeit

Mineralogie / Kosmochemie

Natürliches Eisensilizid Fe2Si. Es wurde unter anderem in extraterrestrischem Material beschrieben und ist für hochreduzierende Bildungsbedingungen charakteristisch.

Heliaden

Klassische Philologie / Kulturgeschichte

In der griechischen Mythologie sind sie die Töchter des Sonnengottes Helios und Schwestern Phaethons. Sie trauern nach Phaethons Tod am Eridanos, werden in Bäume verwandelt, und ihre Tränen werden zu Bernstein.

Helium-Ionen-Mikroskopie

Materialanalytik

Hochauflösende Mikroskopietechnik, bei der die Oberfläche einer Probe mit einem fokussierten Heliumionenstrahl abgerastert wird. Sie ermöglicht die Abbildung feinster Oberflächenstrukturen mit einer Auflösung bis in den Subnanometerbereich.

Hochdruckphase

Mineralogie / Schockphysik

Mineral oder Kristallstruktur, die nur bei hohem Druck stabil oder gebildet wird. Hochdruckphasen können wichtige Hinweise auf Schockmetamorphose liefern.

Hochgeschwindigkeitskamera

Experimentelle Impaktphysik

Kamera, die mit sehr hoher Bildrate extrem schnelle Vorgänge aufzeichnet und dadurch einzelne Phasen eines Prozesses sichtbar und auswertbar macht. Bei experimentellen Untersuchungen von Impaktprozessen wird sie beispielsweise eingesetzt, um Aufprall, Fragmentierung, Materialauswurf und Kraterbildung zeitlich aufgelöst zu analysieren.

Hochtemperaturphase

Mineralogie

Mineral oder Materialphase, die nur bei sehr hoher Temperatur entsteht. Ihr Auftreten weist auf starke thermische Beanspruchung hin, ist allein aber nicht immer impaktdiagnostisch.

Hypervelocity

Impaktphysik

Bezeichnung für extrem hohe Aufprallgeschwindigkeiten, wie sie insbesondere bei kosmischen Impakten auftreten und experimentell durch Hochgeschwindigkeitsbeschuss untersucht werden können. Dabei übersteigt die Aufprallgeschwindigkeit die Schallgeschwindigkeit in Projektil und Zielmaterial deutlich, sodass Schockwellen, extreme Drücke und Temperaturen die Vorgänge bestimmen. Aufschmelzung, Verdampfung und Schockmetamorphose können die Folge sein.

I

Impakt

Planetologie / Geologie

Zusammenstoß eines kosmischen Körpers mit der Erde oder einem anderen Himmelskörper. Der Begriff umfasst Atmosphärenflug, Fragmentierung, Einschlag, Kraterbildung und Folgewirkungen.

Impaktbrekzie

Impaktgeologie

Brekzie, die durch Zertrümmerung, Transport und Vermischung von Gesteinen während eines Impakts entsteht. Sie kann geschockte Minerale, Schmelzbestandteile und Fremdmaterial enthalten.

Impaktdiagnostik

Impaktforschung

Gesamtheit der Methoden zur Identifikation eines Impakts. Zentrale Kriterien sind Schockmetamorphose, Shatter Cones, Meteoritenmaterial oder direkte Beobachtung; Morphologie und geophysikalische Anomalien sind unterstützend.

Impaktit

Impaktgeologie

Sammelbegriff für Gesteine und Materialien, die unmittelbar durch einen Impakt entstanden oder stark verändert wurden, etwa Brekzien, Schmelzgesteine und geschockte Gesteine.

Impaktkrater

Impaktgeologie

Durch den Einschlag eines kosmischen Körpers erzeugte Vertiefung mit charakteristischen strukturellen, geophysikalischen und petrographischen Merkmalen.

Impaktschmelze

Petrographie / Impaktgeologie

Gesteinsschmelze, die durch extreme Druck- und Temperaturbedingungen bei einem Einschlag erzeugt wird. Sie kann als Schmelzgestein, Glas, Kruste oder Schmelzader auftreten.

Inkohlung

Geochemie / Kohlenstoffforschung

Thermische Umwandlung organischen Materials mit Anreicherung von Kohlenstoff. Bei sehr hoher Temperatur und Schock können ungewöhnliche Kohlenstoffmaterialien entstehen.

K

Kamacit

Meteoritik

Eisen-Nickel-Legierung mit relativ niedrigem Nickelgehalt, typisch für viele Eisenmeteorite. Ihr Nachweis kann auf meteoritisches Material hinweisen, muss aber im Fundkontext bewertet werden.

Kaskadenfragmentierung

Impaktphysik

Mehrstufiger Zerfall eines Körpers, bei dem bereits abgetrennte Fragmente erneut zerbrechen. Dadurch entsteht eine große Spannweite an Fragmentgrößen und Wirkungsformen.

Katastrophenschicht

Geoarchäologie / Sedimentologie

Stratigraphische Lage, die durch ein plötzliches außergewöhnliches Ereignis gebildet oder stark verändert wurde. Merkmale können Brand, Zerstörung, Umlagerung, Auswurf und Schock sein.

Khamrabaevit

Mineralogie / Kosmochemie

Sehr seltenes natürliches Titan-Vanadium-Eisen-Carbid mit der Formel (Ti,V,Fe)C. Es weist auf stark reduzierende und extreme Bildungsbedingungen hin.

Kometenähnlicher Impaktor

Astronomie / Impaktmodellierung

Arbeitsmodell für einen porösen, kohlenstoffreichen, mechanisch lockeren Kleinkörper mit hoher Fragmentierbarkeit. Es bezeichnet keinen nachgewiesenen klassischen Kometen.

Korrosion

Geochemie / Materialwissenschaft

Chemische Veränderung und Zersetzung von Mineralen oder Metallen. Im Impaktkontext können Hitze, Säuren, Dämpfe und reaktive Fluide ungewöhnlich starke Korrosion verursachen.

Kraterstreufeld

Impaktgeologie / Astronomie

Gebiet mit zahlreichen Kratern, die durch Fragmente desselben kosmischen Körpers entstanden sind. Form und Orientierung liefern Hinweise auf Bahn und Zerfall des Impaktors.

L

Lechatelierit

Mineralogie

Natürliches Kieselglas aus geschmolzenem Quarz. Es entsteht bei sehr hohen Temperaturen, zum Beispiel durch Impakt oder Blitzschlag; der Kontext entscheidet über die Genese.

LiDAR

Fernerkundung / Geomorphologie

Light Detection and Ranging; laserbasierte Fernerkundung zur hochauflösenden Vermessung der Geländeoberfläche. Daraus entstehen digitale Geländemodelle.

Linzhiit

Mineralogie

Natürliches Eisensilizid FeSi2. Es wurde als eigenständiges Mineral anerkannt und tritt unter stark reduzierenden Bedingungen auf.

Lumineszenzdatierung

Archäometrie

Datierung der letzten Belichtung oder Erhitzung mineralischer Körner anhand gespeicherter Strahlungsenergie. Dazu gehören OSL und Thermolumineszenz.

M

Magnetik

Geophysik

Geophysikalisches Verfahren zur Untersuchung des Untergrunds durch Messungen des Erdmagnetfelds. Dabei werden örtliche Abweichungen (Anomalien) erfasst, die durch unterschiedliche magnetische Eigenschaften von Gesteinen und Materialien verursacht werden. Solche Anomalien geben Hinweise auf geologische Strukturen, archäologische Relikte, thermisch veränderte Gesteine oder metallische Körper im Untergrund.

Magnetische Suszeptibilität

Geophysik / Mineralogie

Maß dafür, wie stark ein Material in einem äußeren Magnetfeld magnetisiert wird. Änderungen können thermische Umwandlung, Mineralneubildung oder Materialkonzentrationen anzeigen.

Matrix

Petrographie

Feinkörniger Anteil eines Gesteins, der größere Komponenten umgibt. In Brekzien kann die Matrix aus zerkleinertem, geschmolzenem oder rekondensiertem Material bestehen.

Meteor

Astronomie

Leuchterscheinung eines Meteoroiden beim Eintritt in die Atmosphäre. Ein Meteor ist die Erscheinung, nicht der feste Körper.

Meteorit

Meteoritik

Rest eines natürlichen kosmischen Körpers, der den Atmosphärenflug übersteht und den Boden erreicht.

Meteoroid

Astronomie

Natürlicher kleiner kosmischer Körper im Weltraum, kleiner als ein Asteroid. Beim Atmosphäreneintritt erzeugt er einen Meteor; ein Rest am Boden heißt Meteorit.

Mikrodiamant / Nanodiamant

Mineralogie / Schockphysik

Diamantkristall im Mikro- beziehungsweise Nanometerbereich. Solche Diamanten können unter hohem Druck entstehen und in bestimmten Impaktmaterialien auftreten.

Moissanit

Mineralogie / Kosmochemie

Natürliches Siliziumcarbid SiC. Die kubische Form β-SiC ist besonders selten und kann unter stark reduzierenden kosmischen oder hochenergetischen Bedingungen entstehen.

Morphologie

Geomorphologie

Form und Gestalt einer Gelände- oder Gesteinsstruktur. Kreisform, Ringwall oder Vertiefung können Hinweise auf einen Krater geben, sind aber allein kein Impaktnachweis.

N

Naquit

Mineralogie

Seltenes natürliches Eisensilizid FeSi. Sein Auftreten weist auf stark reduzierende Bildungsbedingungen hin.

O

OSL

Archäometrie

Optically Stimulated Luminescence; Lumineszenzverfahren, bei dem durch natürliche ionisierende Strahlung im Kristallgitter eingefangene Ladungsträger durch Lichteinwirkung freigesetzt werden und bei ihrer Rekombination Licht aussenden. Daraus lässt sich die Zeit seit der letzten Rücksetzung des Lumineszenzsignals bestimmen.

P

Paragenese

Mineralogie

Charakteristische Vergesellschaftung von Mineralen oder Phasen, deren Bildung auf einen gemeinsamen geologischen oder geochemischen Prozess zurückgeht. Die Paragenese kann für die Rekonstruktion der Bildungsbedingungen aussagekräftiger sein als ein einzelnes Mineral.

PDFs

Schockmetamorphose

Planar Deformation Features; engständige, planare Deformationslamellen in Mineralen, insbesondere Quarz und Feldspäten. Sie entstehen, wenn eine Stoßwelle das Kristallgitter dauerhaft deformiert; die Lamellen bilden sich dabei in charakteristischen kristallographischen Orientierungen. PDFs sind ein diagnostisches Merkmal der Schockmetamorphose.

Petrographie

Geologie

Beschreibung und Klassifikation von Gesteinen anhand von Mineralbestand und Gefüge sowie Interpretation ihrer Entstehungsgeschichte. Sie umfasst makroskopische und mikroskopische Untersuchungen, insbesondere an Dünnschliffen.

Planare Brüche (PFs)

Schockmetamorphose
Planar Fractures; parallele, planare Bruchflächen in Mineralen, häufig mit kristallographisch kontrollierter Orientierung. Sie können durch Schock entstehen, sind jedoch im Gegensatz zu planaren Deformationsstrukturen (PDFs) nicht impaktdiagnostisch.

Plasma

Physik

Ionisiertes Gas aus freien Elektronen und Ionen. Bei hochenergetischen Impakten können durch extreme Temperaturen und Drücke lokal kurzzeitig Plasmazustände entstehen.

Polarisationsmikroskop

Petrographie

Lichtmikroskop mit polarisiertem Licht zur Bestimmung von Mineralen und zur Untersuchung ihrer optischen Eigenschaften, Orientierung und Deformationsgefüge in Dünnschliffen, einschließlich charakteristischer Schockmerkmale.

Porosität

Materialphysik / Astronomie

Anteil der Hohlräume in einem Körper oder Gestein. Hohe Porosität begünstigt Kompression, Fragmentierung und Energieabsorption beim Atmosphäreneintritt.

R

Radiokarbondatierung (14C)

Archäometrie

Datierung organischer Materialien anhand des radioaktiven Zerfalls von Kohlenstoff-14. Die Ergebnisse müssen kalibriert und im jeweiligen Fund- und Schichtkontext interpretiert werden.

Rasterelektronenmikroskopie (REM/SEM)

Materialanalytik

Mikroskopisches Verfahren, bei dem eine Probe rasterförmig mit einem fokussierten Elektronenstrahl abgetastet wird. Es ermöglicht die hochauflösende Abbildung von Oberflächen und Materialgefügen und wird häufig mit EDS oder EBSD kombiniert.

Regmaglypten

Meteoritik

Daumenabdruckartige Vertiefungen auf Meteoritenoberflächen, die durch Ablation während des Atmosphärenflugs entstehen.

Rekondensation

Impaktphysik / Kosmochemie

Erneute Bildung fester oder flüssiger Phasen aus einem zuvor verdampften Material. Bei Impakten können aus Dampf Wolken, Sphärulen und feine Kondensate entstehen.

Rubble Pile

Astronomie / Planetologie

Locker gebundener Kleinkörper aus zahlreichen Fragmenten und Hohlräumen, der überwiegend durch Eigengravitation zusammengehalten wird. Seine geringe innere Festigkeit kann eine sukzessive bzw. mehrstufige Fragmentierung während des Atmosphärenflugs und beim Impakt begünstigen.

S

Schmelzkruste

Meteoritik / Impaktgeologie

Dünne, erstarrte Schmelzschicht auf der Oberfläche eines Körpers oder Gesteins. Sie kann beim Atmosphärenflug eines Meteoriten, an ausgeworfenem Impaktmaterial oder durch lokale Aufschmelzung von Gestein beim Impakt entstehen.

Schock

Schockphysik

Extrem schnelle, kurzzeitige Kompression eines Materials durch eine Stoßwelle, verbunden mit sprunghaften Änderungen von Druck, Dichte und Temperatur. In Gesteinen und Mineralen kann sie Schockmetamorphose hervorrufen.

Schock-Spallation

Schockphysik / Petrographie

Bildung von Zugbrüchen bis hin zur Ablösung von Fragmenten, wenn ein Kompressionsimpuls an einer freien Oberfläche als Entlastungsimpuls reflektiert wird und die dabei entstehenden Zugspannungen die Zugfestigkeit des Materials überschreiten.

Schockfront

Impaktphysik

Front einer Stoßwelle, an der Druck, Temperatur und Dichte sprunghaft ansteigen. Bei einem Impakt läuft sie sowohl durch das Zielmaterial als auch durch das Projektil.

Schockmosaizismus

Petrographie / Schockmetamorphose

Mosaikartige Zerlegung eines Kristalls in zahlreiche leicht gegeneinander verdrehte Kristalldomänen infolge von Schockbeanspruchung.

Sedimentechographie

Geophysik

Akustisches Verfahren zur Untersuchung von Sedimenten unterhalb des Gewässerbodens anhand reflektierter Schallwellen.

Seiche

Limnologie / Hydrodynamik

Stehende, periodische Schwingung eines Wasserkörpers in einem geschlossenen oder teilweise geschlossenen Gewässer, ausgelöst etwa durch Wind, Luftdruckänderungen oder Erschütterungen.

Shatter Cone

Impaktgeologie

Kegelförmige Bruchstruktur mit charakteristischen Streifen, die strahlenartig von der Spitze ausgehen. Sie entstehen durch starke Stoßwellen im Gestein und gelten als einziger makroskopischer Impaktnachweis.

Sphärule

Mineralogie / Impaktgeologie

Kugelförmiges Mikro- bis Millimeterpartikel. Sphärulen können aus Schmelze oder Dampf entstehen; ihre Zusammensetzung und ihr geologischer Kontext geben Hinweise auf ihre Genese.

Stoßwelle, auch Schockwelle

Physik

Druckwelle, die sich schneller als die lokale Schallgeschwindigkeit ausbreitet und an deren Front Druck, Dichte und Temperatur sprunghaft ansteigen. Bei einem Impakt breitet sich eine Stoßwelle durch Projektil und Zielgestein aus und erzeugt extreme Drücke und Temperaturen, die Schockmetamorphose hervorrufen können.

Stratigraphie

Geologie / Archäologie

Untersuchung der zeitlichen und räumlichen Abfolge von Schichten. Sie ist Grundlage für relative Datierung und die Rekonstruktion geologischer und archäologischer Ereignisse.

Streufeld

Astronomie / Impaktgeologie

Gebiet, über das die Fragmente eines in der Atmosphäre zerbrochenen kosmischen Körpers verteilt niedergehen oder einschlagen. Ein Meteoritenstreufeld bezeichnet die räumliche Verteilung der am Boden niedergegangenen Meteoritenfragmente. Erzeugen einschlagende Fragmente mehrere räumlich zusammengehörige Impaktkrater, spricht man von einem Kraterstreufeld. Form und Ausdehnung eines Streufelds werden unter anderem durch Flugbahn und Fragmentierung des kosmischen Körpers, Größe und Masse der Bruchstücke sowie deren Abbremsung in der Atmosphäre bestimmt.

Suessit

Mineralogie / Meteoritik

Seltenes natürliches Eisen-Nickel-Silizid (Fe,Ni)₃Si. Es ist aus Meteoriten und stark reduzierenden Hochtemperaturmilieus bekannt.

T

TEM

Materialanalytik

Transmissionselektronenmikroskopie; Elektronen durchstrahlen ultradünne Proben und ermöglichen die hochauflösende Untersuchung von Kristallstrukturen, Defekten und Nanophasen.

Thermolumineszenz

Archäometrie

Lumineszenzverfahren, bei dem durch natürliche ionisierende Strahlung im Kristallgitter eingefangene Ladungsträger beim Erhitzen freigesetzt werden und bei ihrer Rekombination Licht aussenden. Daraus lässt sich die Zeit seit der letzten Rücksetzung des Lumineszenzsignals bestimmen. Das Verfahren wird insbesondere zur Datierung von Keramik und von natürlich oder künstlich erhitzten Gesteinen eingesetzt.

Tidenhub

Hydrologie

Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser infolge astronomischer Gezeiten. In Binnenseen ist der echte Tidenhub meist sehr gering; deutlich größere Wasserstandsschwankungen können dort durch Seiches, Wind und Luftdruckänderungen entstehen.

Tridymit

Mineralogie

Hochtemperaturmodifikation von Siliziumdioxid (SiO₂). Ihr Auftreten weist auf hohe Bildungstemperaturen hin, ist aber ohne weiteren Kontext nicht impaktdiagnostisch.

Tsunami

Hydrodynamik

Langperiodische Welle, die durch plötzliche Verdrängung großer Wassermassen entsteht, etwa durch Erdbeben oder Impakte.

W

WDS

Materialanalytik

Wavelength-Dispersive X-ray Spectroscopy; wellenlängendispersive Röntgenanalyse mit hoher spektraler Auflösung zur quantitativen Elementbestimmung.

X

Xifengit

Mineralogie

Seltenes natürliches Eisensilizid Fe₅Si₃. Sein Vorkommen weist auf stark reduzierende Bildungsbedingungen hin.

XRD

Mineralogie / Materialanalytik

X-ray Diffraction; Röntgenbeugung zur Identifikation kristalliner Phasen anhand ihrer charakteristischen Beugungsmuster.

Z

Zielgestein

Impaktgeologie

Festgestein oder Lockersediment, in das ein kosmischer Körper einschlägt. Zusammensetzung, Porosität und Wassergehalt beeinflussen Kraterform und Impaktprodukte.

Zirkoniumcarbid

Mineralogie / Hochtemperaturchemie

Sehr hitzebeständige Verbindung aus Zirkonium und Kohlenstoff (ZrC). Ihr seltenes natürliches Auftreten weist auf extreme, stark reduzierende Bildungsbedingungen hin.

Hinweis zur Terminologie: Begriffe aus verschiedenen Disziplinen können je nach Fachgebiet enger oder weiter verwendet werden. Auf dieser Website gelten die Definitionen in dem hier angegebenen interdisziplinären Sinn.

Diese Website verwendet technisch notwendige Cookies, um die grundlegende Funktionalität und Sicherheit der Seite zu gewährleisten. Cookies sind kleine Textdateien, die auf Ihrem Endgerät gespeichert werden und bestimmte Informationen enthalten.

Technisch erforderliche Cookies werden ausschließlich zum Betrieb der Website eingesetzt und können nicht deaktiviert werden. Weitere Cookies, etwa zu Analyse- oder Marketingzwecken, werden auf dieser Website derzeit nicht verwendet.

Weitere Informationen zur Verarbeitung personenbezogener Daten und zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Einstellungen