22 Jahre Chiemgau-Impakt-Forschung

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22 Jahre Chiemgau-Impakt-Forschung

22 Jahre Chiemgau-Impakt-Forschung

Seit den ersten systematischen Untersuchungen im Jahr 2004 hat sich die Chiemgau-Impaktforschung von einer regionalen Entdeckung zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt entwickelt.

Geologie, Geophysik, Mineralogie, Materialwissenschaften, Geoarchäologie, Archäometrie, Astronomie und Kulturgeschichte wurden schrittweise zu einem gemeinsamen Forschungsansatz verbunden.

Von ersten Funden zur interdisziplinären Forschung

Ausgangspunkt waren ungewöhnliche metallische Partikel und kraterähnliche Strukturen, die seit 2000 im Gelände dokumentiert wurden.

2004 formierte sich das Chiemgau Impact Research Team. Seither wurden das Kraterstreufeld kartiert, Proben analysiert, Fundstellen untersucht, neue Materialphasen beschrieben, geoarchäologische Bezüge erarbeitet und Ergebnisse auf internationalen Tagungen präsentiert.

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Die Anfänge

Seit 2000 dokumentierte eine Gruppe von Heimatforschern ungewöhnliche metallische Partikel und kreisförmige Geländeformen.

2003 und 2004 wurden erste Zusammenhänge zwischen Fundmaterial, Kraterstrukturen und Spurenelementanomalien untersucht.

2000–2003

Erste Funde ungewöhnlicher metallischer Partikel und kraterähnlicher Strukturen im Gelände. Beginn systematischer Kartierung und Probenahme.

2004

Zusammenschluss des Chiemgau Impact Research Teams. Internationale Bekanntmachung unter dem Schlagwort „Big Bang in Bavaria“.

2006

Gründung des Chiemgau Impakt e. V. als gemeinnützige Organisation zur Förderung von Forschung und Vermittlung.

2007–2010

Ausbau geologischer, geophysikalischer, mineralogischer und archäometrischer Untersuchungen. Publikationen zum Kraterstreufeld, Tüttensee, zur Datierung und zum Phaethon-Komplex.

2009

Eröffnung des Chiemgau-Impakt-Museums.

2010

Eröffnung des Impakt-Lehrpfads am Tüttensee. Veröffentlichung grundlegender Arbeiten zum Kraterstreufeld und zur Datierung.

2011–2014

Vertiefung der geoarchäologischen Forschung, Untersuchungen in Stöttham und Mühlbach sowie Ausbau geophysikalischer Untersuchungen.

2015

Große Ausstellung im Kulturforum Klosterkirche in Traunstein. Umfangreiche öffentliche Vermittlung und weitere Forschungspräsentationen.

2016–2019

Neue Arbeiten zu Chiemsee-Tsunami, Kohlenstoffmaterialien, Eisensiliziden, Kratermorphologie und kulturhistorischen Bezügen.

2020–2021

Publikationen zu archäologischen Impaktbefunden, digitalen Geländemodellen und der Einbettung des Ereignisses in den archäologischen Kontext.

2022–2023

Systematische Übersicht natürlicher Eisensilizide, neue Arbeiten zum Eisensilizid-Streufeld sowie umfassende geoarchäologische Synthesen.

2024

Jubiläum zu 20 Jahren organisierter Chiemgau-Impaktforschung mit Rückblick auf Forschung, Museum, Publikationen, Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit.

2025–2026

Fortführung der interdisziplinären Auswertung, Ausbau der wissenschaftlichen Website und Zusammenführung der Ergebnisse in einer systematischen Gesamtdarstellung.

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Kartierung des Kraterstreufeldes

Das ellipsenförmige Streufeld zwischen Altötting, Burghausen, Chiemsee und Alpen wurde durch instrumentelle Geländebegehungen, Luftbilder, historische Karten und LiDAR-Daten erfasst.

Die Untersuchungen dokumentieren weit über hundert Krater mit Durchmessern vom Meterbereich bis zu etwa 1,3 km.

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Schockmetamorphose und Impaktgesteine

Der zentrale wissenschaftliche Nachweis beruht auf Schockmetamorphose in verschiedenen Gesteinen und Mineralen.

Planare Deformationsstrukturen, diaplektische Gläser, Schmelzprodukte und weitere Hochdruckveränderungen belegen kurzzeitig wirkende extreme Druck- und Temperaturbedingungen.

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Neue Materialien und Mineralphasen

Zu den besonderen Forschungsfeldern gehören Eisensilizide, Carbide, Calciumaluminate, Glas-Kohlenstoffe und weitere ungewöhnliche Phasen.

Der im Chiemgau beschriebene Chiemit stellt eine neue Art kohlenstoffreichen Impaktgesteins dar.

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Geoarchäologische Befunde

Die direkte Einbettung von Impaktmaterial in archäologische Schichten zählt zu den außergewöhnlichsten Ergebnissen.

Mühlbach und Stöttham dokumentieren Artefakte-in-Impaktiten, Schockmetamorphose in archäologischen Fundzusammenhängen und die unmittelbare Betroffenheit vorgeschichtlicher Siedlungen.

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Astronomische Rekonstruktion

Form und Lage des Streufeldes ermöglichen Aussagen zu Anflugrichtung, Fragmentierung und Beschaffenheit des Impaktors.

Die Rekonstruktion spricht für einen flach eintretenden, stark fragmentierten, mechanisch heterogenen kosmischen Körper.

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Kulturhistorische Forschung

Phaethon, Eridanos, Bernstein, Keltenland und weitere antike Überlieferungen wurden mit dem unabhängig rekonstruierten Naturereignis verglichen.

Damit wurde die Forschung um klassische Philologie, Archäoastronomie und Geomythologie erweitert.

Kraterstreufeld Etwa 60 × 30 km, weit über hundert dokumentierte Strukturen.
Schockmetamorphose Planare Deformationsstrukturen, diaplektische Gläser und weitere Hochdruckbefunde.
Chiemit Im Chiemgau beschriebenes kohlenstoffreiches Impaktgestein.
Eisensilizide Außergewöhnliche natürliche Metallphasen und ein markantes Streufeld.
Artefakt-in-Impaktit Menschliche Artefakte als Bestandteile geschockter Impaktgesteine.
Chiemsee Doppelstruktur, Wasserverdrängung und Hinweise auf einen lokalen Impakt-Tsunami.
Datierung Einordnung des Ereignisses in den Zeitraum von etwa 900 bis 600 v. Chr.
Phaethon Geomythologischer Vergleich mit antiken Überlieferungen.
Platzhalter für Abbildung 1 Collage aus 22 Jahren Forschung: Gelände, Labor, Museum, Publikationen und Tagungen
Abbildung 1. Die Chiemgau-Impaktforschung verbindet regionale Feldarbeit, spezialisierte Analytik, internationale Kooperationen und öffentliche Vermittlung.
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Publikationen und Tagungen

Seit 2004 wurden Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, Tagungsbänden, Büchern und zahlreichen Konferenzbeiträgen veröffentlicht.

Präsentationen fanden auf nationalen und internationalen Tagungen statt und ermöglichten den Austausch mit Fachwissenschaftlern aus verschiedenen Ländern.

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Museum, Lehrpfad und Öffentlichkeit

Museum, Tüttensee-Lehrpfad, Vorträge, Exkursionen, Ausstellungen, Medienbeiträge und Kinderprogramme machen die Forschung öffentlich zugänglich.

Die große Ausstellung in Traunstein 2015 und die Jubiläumsveranstaltung 2024 markieren wichtige Stationen der öffentlichen Vermittlung.

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Finanzierung und Engagement

Ein erheblicher Teil der Forschungsarbeit wurde privat und ehrenamtlich finanziert.

Hinzu kommen unentgeltliche Leistungen von Firmen, Instituten und kooperierenden Wissenschaftlern, Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Unterstützung durch Gemeinden und regionale Partner.

22 Jahre gemeinschaftliche Arbeit

Die Entwicklung des Projekts wurde durch das Zusammenwirken von Entdeckern, Wissenschaftlern, Vereinsmitgliedern, Gemeinden, Firmen, Spendern und zahlreichen ehrenamtlich Engagierten ermöglicht.

Zusammenfassung

In 22 Jahren entwickelte sich die Chiemgau-Impaktforschung zu einem breit aufgestellten interdisziplinären Projekt.

Kraterkartierung, Schockmetamorphose, Materialanalytik, Geoarchäologie, Datierung, Astronomie und Kulturgeschichte wurden zu einer gemeinsamen Rekonstruktion des Ereignisses verbunden.

Museum, Lehrpfad, Publikationen, Tagungen und öffentliche Veranstaltungen machen diese Entwicklung sichtbar und dokumentieren die kontinuierliche Arbeit des Chiemgau Impakt e. V.

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