Kraterstreufeld
Das Kraterstreufeld des Chiemgau-Impakts erstreckt sich über ein annähernd elliptisches Gebiet von etwa 60 km Länge und 30 km Breite. Innerhalb dieses Gebietes sind ca. 80 Krater bekannt. Das erhebliche Größenspektrum ihrer Durchmesser reicht von ca. 5 m bis ca. 600 m. Dabei zeigt sich eine räumliche Tendenz: Im Mittel nehmen die Kraterdurchmesser vom nördlichen zum südlichen Teil des Streufeldes zu. Eine solche Größenstaffelung ist auch von anderen Kraterstreufeldern bekannt und wird mit der Fragmentierung eines Impaktors in der Atmosphäre in Verbindung gebracht.
Erhaltungszustand der Krater
Der Erhaltungszustand der Krater ist sehr unterschiedlich. Während manche mit Vertiefung und Ringwall noch deutlich im Gelände zu erkennen sind, wie Krater 004 bei Emmerting, wurden andere durch landwirtschaftliche Nutzung stark eingeebnet. Sie zeichnen sich jedoch in Luft- und Satellitenbildern oder im Digitalen Geländemodell weiterhin ab.
Große Strukturen im südlichen Streufeld
Eine Schlüsselstruktur im südlichen Bereich des Streufeldes ist der Tüttensee bei Grabenstätt, der größte bekannte Krater des Streufeldes.
Eine weitere große Doppelstruktur mit Ringwall wurde vor der Chieminger Bucht am Boden des Chiemsees geortet. Während das Chiemseebecken selbst auf die Eiszeit zurückgeht, wird diese Struktur als 900 × 400 m großer Doppelkrater gedeutet.
Geländeform und Impaktnachweis
Nicht jede kreis- oder muldenförmige Geländeform innerhalb des Untersuchungsgebietes ist allerdings allein aufgrund ihrer Morphologie als Impaktkrater anzusprechen. Das vom Eis geprägte Alpenvorland besitzt zahlreiche natürliche Hohlformen. Gerade deshalb haben bei der Untersuchung möglicher Krater mineralogische und geophysikalische Befunde größeres Gewicht als die reine Morphologie. In diesem Sinne besteht noch Unsicherheit z.B. hinsichtlich der großen, ca. 1,2 km messenden Eglsee-Struktur zwischen Chieming und Nußdorf.
Donnerlöcher
Keine Krater, sondern sogenannte Donnerlöcher werden nördlich des Chiemsees in einer Region zwischen Obing und Kirchweidach beobachtet. Besonders zahlreich sind diese plötzlich auftretenden, bis zu mehreren Metern in Durchmesser und Tiefe messenden Erdfälle im Raum Kienberg. Ihre Entstehung wird auf den Chiemgau-Impakt zurückgeführt.
Geoarchäologische Fundorte
Eine besondere Stellung nehmen zwei Fundorte am Chiemsee ein, an denen Auswirkungen des Impakts unmittelbar in einem archäologischen Zusammenhang nachgewiesen wurden. Im Mühlbach-Gebiet beim Tüttensee wurde eine prähistorische Siedlungsstelle von Auswurfmassen des Tüttensee-Kraters erfasst. Bei Stöttham am Ostufer des Chiemsees liegt die Impaktschicht dagegen innerhalb der archäologischen Stratigraphie einer Siedlungsstelle, die vom Neolithikum bis in die Römerzeit wiederholt genutzt wurde.
