Die Eglsee-Struktur – ein großer Kraterkandidat?

Zwischen Chieming und Nußdorf liegt eine der auffälligsten Großstrukturen im südlichen Teil des Chiemgau-Kraterstreufeldes. Im Digitalen Geländemodell zeichnet sich eine annähernd kreisförmige Depression ab, die auf etwa drei Vierteln ihres Umfangs von markanten Höhenzügen umgeben wird und sich nach Westen in Richtung Chieming und Chiemsee öffnet.

Bezogen auf die höchsten Bereiche des vermeintlichen Walles beträgt der Durchmesser etwa 1,3–1,4 km. Zwischen den Höhen und dem Inneren der Depression liegen bis zu rund 35 m. Besonders im Nord-Süd-Profil fällt die annähernde Symmetrie der Geländeform auf; die inneren Hänge sind teilweise deutlich steiler als die Außenseiten.

Aufgrund dieser auffälligen Morphologie und erster geophysikalischer Untersuchungen wurde die Eglsee-Struktur als einer der größeren Krater des Chiemgau-Impaktstreufeldes interpretiert.

Die inzwischen erweiterte Befundlage ermöglicht eine differenziertere Bewertung. Insbesondere die quartärgeologische Kartierung sowie die erneute Betrachtung der geophysikalischen und sedimentologischen Befunde zeigen, dass neben einem Impakt auch die glaziale und glazifluviale Entwicklung der Landschaft konsequent als Erklärung berücksichtigt werden muss.

Was sagt die Geologie?

Die auffällige Geländeform allein ist kein Nachweis eines Impaktkraters. Die Digitale Geologische Karte von Bayern 1:25.000 ordnet das Gebiet in die komplexe Landschaftsentwicklung des nördlichen Alpenvorlandes während der letzten (Würm-)Eiszeit ein.

Dabei wird die Eglsee-Struktur nicht als einheitliche geologische Ringstruktur kartiert. Die östliche Wallhöhe und eine Anhöhe nördlich der Depression werden als würmzeitliche End- oder Seitenmoräne ausgewiesen, Bereiche am Südrand als Schottermoräne.

Im Westen sowie zwischen dem östlichen Höhenzug und Nußdorf liegen dagegen ausgedehnte hochwürmzeitliche Schmelzwasserschotter. Auch die Kiesgruben westlich des Ortes Eglsee befinden sich nach der geologischen Karte in diesen Schmelzwasserablagerungen.

Der ringartige morphologische Eindruck entsteht somit aus der räumlichen Abfolge und Anordnung unterschiedlicher glazialer und glazifluvialer Einheiten.

Ob diese eiszeitliche Landschaftsentwicklung die auffällige Gesamtform vollständig erklärt oder ob eine zusätzliche Überprägung vorliegt, ist eine der offenen Fragen.

Auffälligkeiten im Untergrund

Zur Untersuchung der Struktur wurden verschiedene geophysikalische Methoden eingesetzt. Gravimetrische Messungen zeigen eine großräumige Bouguer-Restfeldanomalie, die sich mit der topographischen Struktur überlagert.

Damit besitzt Eglsee nicht nur an der Oberfläche eine auffällige Gestalt; auch die Massenverteilung im Untergrund zeigt räumliche Unterschiede.

Zusätzlich wurden westlich von Nußdorf mehrere Kilometer Bodenradarprofile aufgenommen. Die Radargramme zeigen einen stark heterogenen Untergrund mit rasch wechselnden Reflexionsmustern und teilweise komplexen, ineinandergreifenden Strukturen.

Im Rahmen des Impaktmodells wurden diese Strukturen als stark deformierte Auswurfmassen des Eglsee-Kraters interpretiert.

Diese Deutung ist jedoch nicht eindeutig. Die geologische Kartierung weist im untersuchten Gebiet Moränenablagerungen und mächtige glazifluviale Schotter aus, in denen grundsätzlich mit einem heterogenen Untergrund zu rechnen ist.

Es muss daher geprüft werden, welche der im Bodenradar sichtbaren Strukturen über das hinausgehen, was innerhalb einer komplex aufgebauten Eiszeitlandschaft zu erwarten ist.

Die geophysikalischen Messungen dokumentieren somit reale Auffälligkeiten des Untergrundes; die Deutung ihrer Entstehung bleibt jedoch zu überprüfen.

Rätselhafte Deformationen in einer Kiesgrube

Besonders bemerkenswert ist ein inzwischen nicht mehr zugänglicher Aufschluss in einer Kiesgrube westlich des Ortes Eglsee. Die dortigen Kiese gehören nach der geologischen Kartierung zu den hochwürmzeitlichen Schmelzwasserschottern.

An der Grenze zwischen zwei grobkörnigen Kieslagen war der Schichtkontakt über eine größere Strecke in eine ungewöhnlich regelmäßige Folge von keil- und taschenförmigen Strukturen deformiert.

Derartige Soft-Sediment-Deformationen werden überwiegend aus feinkörnigeren Sedimenten wie Sand und Schluff beschrieben. Die Kombination aus grobem Kies und auffallend regelmäßiger Deformationsgeometrie macht den Eglsee-Aufschluss zu einem ungewöhnlichen natürlichen Fallbeispiel.

Verschiedene seismische und nichtseismische Prozesse kommen grundsätzlich als Auslöser entsprechender Deformationen in Betracht; ihre Entstehung ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.

Auffällig war außerdem eine etwa 15 cm mächtige sehr dunkle Zone, die dem Deformationsmuster folgte. Ihre Zusammensetzung konnte nicht untersucht werden.

Schwarze Schicht, Sphärulen und verglaste Steine

Etwa 200 m von diesem Aufschluss entfernt wurde Jahre zuvor in einer unmittelbar benachbarten Kiesgrube eine weitere schwarze Schicht beobachtet.

Aus ihr wurden zahlreiche kleine dunkle Sphärulen sowie Glaskügelchen und glasartige Fragmente geborgen und fotografisch dokumentiert.

Ob diese schwarze Schicht mit der dunklen Zone des später beobachteten Deformationsaufschlusses zusammenhängt, ist unbekannt. Ihre ungefähr vergleichbare Lage unterhalb der Geländeoberfläche macht eine Verbindung denkbar, doch fehlen Proben und stratigraphische Untersuchungen, mit denen sich eine solche Korrelation überprüfen ließe.

Auch Zusammensetzung und Entstehung der Sphärulen und Gläser sind bislang nicht ausreichend untersucht.

Eine weitere Beobachtung stammt aus der Bevölkerung von Nußdorf. Anwohner berichteten, auf den Feldern zwischen Nußdorf und der Eglsee-Struktur wiederholt verglaste beziehungsweise schmelzgesteinsartige Steine gefunden zu haben.

Wissenschaftlich dokumentierte Untersuchungen solcher Stücke sind bislang nicht bekannt. Die Berichte sind deshalb als Beobachtung von Interesse, können gegenwärtig jedoch nicht als Impaktnachweis gewertet werden.

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