Chiemsee-Doppelstruktur

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Doppelkrater im Chiemsee

Eine ungewöhnliche Struktur am Seegrund

Der Chiemsee selbst ist kein Impaktkrater. Sein Becken entstand durch die Gletscher der letzten Eiszeit und gehört zur glazial geprägten Landschaft des Alpenvorlandes. Innerhalb dieses eiszeitlich entstandenen Seebeckens wurde jedoch eine auffällige Struktur entdeckt, die als möglicher Doppelkrater des Chiemgau-Impakts interpretiert wird.

Sie liegt im östlichen Chiemsee, etwa drei Kilometer westlich von Chieming. Hydroakustische Vermessungen des Seegrundes, die mit Unterstützung der Wasserwacht Chieming durchgeführt wurden, zeigen dort eine ungefähr 900 × 400 Meter große Doppelstruktur. Zwei unmittelbar benachbarte Hohlformen bilden eine zusammenhängende, längliche Struktur mit deutlich ausgeprägtem Relief. In Tiefenkarte, Geländeprofil und dreidimensionaler Darstellung hebt sie sich markant von ihrer Umgebung ab.

Interpretation als Doppelkrater

Die Morphologie wird als Ergebnis des nahezu gleichzeitigen Einschlags zweier Fragmente in den Chiemsee interpretiert.

Anders als beim Tüttensee oder bei anderen untersuchten Strukturen und Fundorten liegt für den vermuteten Doppelkrater bislang jedoch kein mineralogischer Impaktnachweis aus Proben vom Seegrund vor. Seine Interpretation stützt sich vor allem auf die hydroakustisch erfasste Morphologie sowie auf seine Lage innerhalb des Chiemgau-Kraterstreufeldes.

Damit besitzt die Struktur einen anderen Nachweisstatus als Fundorte, an denen Schockmetamorphose unmittelbar im Gestein festgestellt wurde. Eine gezielte Untersuchung und Beprobung des Seegrundes könnte klären, ob sich die Interpretation als Impaktstruktur durch impaktdiagnostische Befunde bestätigen lässt.

Einschlag ins Wasser

Sollte die Doppelstruktur tatsächlich durch den Einschlag zweier größerer Fragmente entstanden sein, trafen diese in das bereits bestehende Chiemseebecken. Dabei müssen erhebliche Mengen Wasser und Seesediment schlagartig verdrängt worden sein.

Ein Einschlag dieser Größenordnung muss starke Wasserbewegungen bis hin zu einem Impakt-Tsunami ausgelöst haben. Wie hoch die dabei entstandenen Wellen waren und welche Spuren sie an den damaligen Ufern hinterließen, lässt sich nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht verlässlich bestimmen.

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